Wann und wo kommen Absperrblasen und Dichtkissen zum Einsatz?

Der Haupteinsatzzweck aller Rohrabsperrgeräte ist, das Fördermedium einer Rohrleitung vorübergehend zurückzuhalten. Weit verbreitet ist der Einsatz von Absperrblasen und Dichtkissen in Abwasserkanälen. Dort werden entsprechende Geräte meist wasserseitig eingesetzt, um einen Teil des Kanalnetzes vorübergehend wasserfrei zu halten. Dies ist hauptsächlich nötig bei: Kanalsanierungen, Schachtsanierungen, Kanalreinigungen, Kanalinspektionen, Neuanschlüssen oder ähnlichen Einsatzzwecken.

Ein weiterer wichtiger Einsatzzweck von Dichtkissen und Absperrblasen sind Dichtheitsprüfungen von Abwasserkanälen, z.B. nach EN 1610, DWA-A 139 oder ATV-M 143. Hierbei wird meist eine so genannte „Haltung“, also ein Kanalabschnitt von einem Schacht zum nächsten Schacht inklusive aller Muffen auf Dichtigkeit kontrolliert.

Dabei wird die zu prüfende Haltung meistens an einer Seite mit einer Absperrblase oder einem Dichtkissen abgesperrt und am anderen Ende der Haltung wird ein Dichtkissen oder eine Absperrblase mit Durchgang (Bypass) gesetzt, durch diesen Durchgang wird in den zu prüfenden Kanalabschnitt ein Prüfmedium gegeben. Die Prüfung erfolgt dabei mit Luft oder Wasser. Aus Kosten-, Zeit- und Sicherheitsgründen wird hierbei meist eine Prüfung mit Luftunterdruck (Vakuum) bevorzugt. Bei haltungsweisen Dichtheitsprüfungen mit Wasser müssen immer 2 Dichtkissen oder Absperrblasen mit Durchgang (Bypass) gesetzt werden, so dass die eingeschlossene Luft immer am Hochpunkt der abgesperrten Haltung mittels eines Entlüftungsschlauches mit Schwimmer entweichen kann, wodurch eine Gefährdung bzw. Fehlmessung durch komprimierte Lufteinschlüsse vermieden wird. Die Befüllung bei Dichtheitsprüfungen mit Wasser muss immer vom tieferen Punkt der abgesperrten Haltung mit einer Absperrblase mit Durchgang (Bypass) erfolgen.

Ein wichtiger weiterer Verwendungszweck von Absperrblasen und Dichtkissen ist der „unterirdische Notfalleinsatz“ zum Beispiel bei Löschwasserrückhaltungen oder Rückhaltungen von kontaminierten Abwasser oder Regenwasser zum Beispiel nach Unfällen mit auslaufenden Chemikalien. In solchen Notfalleinsätzen ist es explizit wichtig, den Weiterfluss des kontaminierten Wassers unter allen Umständen zu verhindern. Kontaminiertes Abwasser oder Mischwasser, welches über das öffentliche Kanalnetz bis zur Kläranlage kommt, kann unter Umständen das gesamte biologische System eines Klärbeckens zerstören, was zu einem großen ökonomischen und infrastrukturellem Schaden führen kann. Kontaminiertes Regen- oder Oberflächenwasser, welches über reine Regenwasserkanäle in öffentliche Gewässer wie Bäche, Flüsse oder Seen geleitet wird kann erhebliche Umweltschäden verursachen! Um dies zu verhindern setzen z.B. Feuerwehren, Werkfeuerwehren oder Katastrophenschützer auf Absperrblasen und Dichtkissen. Eine noch sichere, einfache und schnellere Alternative stellen in diesem Einsatzfall auch fest installierte, eingebaute Absperrmöglichkeiten (siehe Kapitel fest installierte, pneumatische Absperrsysteme und Absperrschieber) dar.

Darüber hinaus gibt es von einigen Anbietern spezielle Absperrblasen und Absperrblasensysteme zum Einsatz in Gasleitungen oder anderweitigen Rohrleitungen.