Welche Vor- und Nachteile bieten Absperrblasen bzw. Dichtkissen?
Der größte Nachteil von Absperrblasen gegenüber Dichtkissen liegt darin, dass sie auf Grund des erwähnten „Dehnungsprinzips“ immer zusätzlich mit einer Ausschubsicherung gegen Verschieben gesichert werden müssen. Der Volksmund spricht in diesem Zusammenhang von einem zusätzlich erforderlichen Verbau. Dieser zusätzliche Verbau von Absperrblasen ist nötig, da diese Geräte, wie bereits erwähnt, mit Dehnung arbeiten, sie expandieren also bei Druckbeaufschlagung und legen sich erst, nachdem ein gewisser Druck erreicht wurde, „punktuell“ an die Rohrwandung an. Der maximale Arbeitsdruck, also der Innendruck in der Absperrblase, beträgt in der Regel ca. 1,5 bis 2,5 bar, je nachdem welcher hydrostatische Sperrdruck (Wasser-Gegendruck, der rückseitig auf die Absperrblase wirkt) zurückgehalten werden soll. Der Nachteil dieses Funktionsprinzips ist es, dass sich eine Absperrblase bei geringem Druckverlust wieder zusammenzieht und somit den Kontakt und Reibschluss zur Rohrwandung verliert, wodurch die Absperrblase unweigerlich vom angestauten Wasserdruck weggeschossen wird.
In diesem Rahmen gilt es auch zu beachten, dass ein korrekter Verbau von herkömmlichen Absperrblasen alles andere als einfach und schnell erledigt ist. Um einen sicheren und formschlüssigen Verbau einer Absperrblase wirklich gewährleisten zu können, müsste man theoretisch vor jedem Verbau berechnen, mit welchen Maximalkräften eine Absperrblase bei Druckverlust aus dem Rohr schießen würde. Jetzt müsste man den Verbau so planen, dass bei Verschiebung der Absperrblase der Verbau diese Kräfte definitiv zurück halten kann und einen 1,5fachen Sicherheitsfaktor mit einberechnen, wie er von der Berufsgenossenschaft lt. BGI 802 gefordert wird. Ohne statische Kenntnisse und genaue Berechnungen ein nicht gerade einfaches Unterfangen!
Dichtkissen hingegen bieten den Vorteil, dass auf eine zusätzliche Ausschubsicherung verzichtet werden kann. Warum? Wie bereits erwähnt, arbeiten diese Geräte nicht mit Dehnung. Dichtkissen legen sich beim Aufblasen bereits bei Vollfüllung schon großflächig an die Rohrwandung an, ohne dass ein Druck auf das Gerät beaufschlagt werden muss. Jetzt gilt es zu beachten, dass der Arbeitsdruck von nicht dehnbaren Dichtkissen in der Regel bei 1 oder 2 bar liegt, auch hier spielt wieder der hydrostatische Wassergegendruck eine Rolle. Sollte es bei einem Dichtkissen zu einem geringen Druckverlust kommen, so zieht sich das Gerät im Gegensatz zu einer Absperrblase, nicht zusammen, sondern wird immer noch vollflächig an der Rohrwandung anliegen.
Nicht dehnbare Dichtkissen unterliegen lediglich einer physikalischen Grenze: Mit ihnen kann man, aus Sicherheitsgründen im Verhältnis zum Arbeitsdruck, einen halb so großen Gegendruck absperren. Bei 1 bar Arbeitsdruck im Dichtkissen wären also maximal 0,5 bar hydrostatischer Gegendruck möglich, was einer angestauten Wassersäule von 5m entsprechen würde. Würde man bei einem Druckverlust in einem Dichtkissen jetzt den gleichen Druck erreichen, also in dem oben genannten Beispiel auch 0,5 bar, hätte man einen physikalischen Druckausgleich geschaffen, man hat jetzt also praktisch vorne (Im Dichtkissen) und hinten (Gegendruck) den gleichen Druck erreicht. In diesem Fall würde man erst am tiefsten Punkt im Kanal, wo der hydrostatische Wasserdruck natürlich am größten ist, eine Undichtigkeit bekommen und Wasser würde langsam abfließen, ohne dass sich das eingesetzte Dichtkissen wie eine Absperrblase zusammen zieht sondern immer noch formschlüssig an der Rohrwandung anliegt, wie im folgenden Bild zu sehen:
Der Grund weshalb Dichtkissen also nicht verbaut werden müssen ist sehr simpel: man hat immer genügend Zeit, um einen eventuellen Druckverlust zu kontrollieren und zu regulieren, ohne dass sich das Gerät verschieben würde.
Grundsätzlich sind sowohl Dichtkissen als auch Absperrblasen in verschiedenen Größen erhältlich und können je nach Größe auch unterschiedliche Durchmesserreichweiten abdecken.
Hierbei ist es ein großer Vorteil von Dichtkissen gegenüber Absperrblasen, dass man mit Ihnen ohne Dehnung meist größere Rohrdurchmesser-Reichweiten absperren kann. Dehnbare Absperrblasen decken eine gewisse Durchmesser-Bandbreite ab, in dem sie sich einfach bei Erhöhung des Innendrucks weiter ausdehnen. Dichtkissen hingegen decken verschiedene Durchmesser mit einem speziellen Trick ab: würde man sie außerhalb einer Rohrleitung ohne Druck aufblasen und voll füllen, würde man den maximalen Durchmesser erreichen, will man das Gerät in einen kleineren Durchmesser einsetzen, muss man die Geräte lediglich in Falten legen und aus ihnen ein kleineres Paket machen, beim Aufblasen wird das restliche Material des Dichtkissens diese Falten wieder verschließen.
Ein weiterer Vorteil von nicht dehnbaren konisch-zylindrischen Dichtkissen gegenüber dehnbaren Absperrblasen ist, dass sie in sämtlichen Rohrprofilen einsetzbar sind. Dehnbare Absperrblasen dagegen erweitern beim Aufblasen lediglich ihren Durchmesser, bleiben dabei allerdings immer rund, wodurch sie lediglich in runden Rohrleitungen einsetzbar sind. Konisch-zylindrische Dichtkissen legen sich beim Aufblasen immer einmal rund um das abzusperrende Rohr an und passen sich dem Profil an, so können Sie auch in Eiprofilen, Kastenprofilen, Maulprofilen, Drachenprofilen oder anderen Sonderprofilen eingesetzt werden. Eine Grenze ergibt sich lediglich aus dem Umfang des verwendeten Dichtkissens im Verhältnis zum Umfang der abzusperrenden Rohrleitung.
Weitere Vorteile aller pneumatischen Absperrblasen und Dichtkissen gegenüber anderen „Absperrmöglichkeiten“ wie mechanischen Absperrscheiben sind die einfache Anwendung, die geringen Gewichte und die Möglichkeit Absperrblasen und Dichtkissen über die vorhandenen Schachtsysteme in die Abwasser-Rohrleitungen einbringen zu können. Wobei konisch-zylindrische Dichtkissen sogar noch erheblich leichter sind als dehnbare Absperrblasen und selbst Dichtkissen für Rohrdurchmessser von über 2m noch durch einen Standardschacht von 625mm ins Kanalnetz eingebracht werden können.